zur Startseite


bitte hier klicken für Link auf Campingplatz

Aktuelles der Gemeinde Flecken Artlenburg



vor vor
Unmut trotz vieler Zugeständnisse


Unmut trotz vieler Zugeständnisse
[Mo. 18.01.2019]

Artlenburg. „Wir wollen, dass Sie zumindest verstehen, warum wir das machen“, sagte Sigrid Vossers. Doch das von der Lüneburger Kreisrätin ausgegebene hehre Ziel scheiterte schon daran, dass viele Menschen im Saal akustisch kaum etwas von den Ausführungen der Kreisverwaltung verstanden.
Ohne Mikrofonanlage versuchten am Mittwochabend die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, den mehr als 180 Zuhörern im Saal des Artlenburger Gasthauses Nienau, die neuen Regeln und Verbote zu erklären, die demnächst im geplanten Naturschutzgebiet entlang der Elbe gelten sollen. Der Unmut im Saal war groß. Anwohner, Touristiker, Angler und Landwirte teilten ihre Sorgen mit. Auf viele Bedürfnisse versucht der Kreis einzugehen. So sehr, dass Einzelne schon die Frage stellten, was vom Naturschutz übrig bliebe.
Wie berichtet, hängt auch der Kreis Lüneburg hinterher, EU-Vorgaben gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zu erfüllen. Konkret geht es um die Sicherung des FFH-Gebiets „Elbeniederung zwischen Schnackenburg und Geesthacht“ nach deutschem Recht. Im Teilabschnitt des Kreises Lüneburg will die Untere Naturschutzbehörde deswegen zwischen Artlenburg und Hohnstorf das neue Naturschutzgebiet ausweisen. Fachdienstleiter Stefan Bartscht räumte ein, dass der Kreis nun unter Druck stehe. Das solle sich aber nicht negativ auf die Qualität des Verfahrens auswirken. An die Zuhörer gewandt sagte er: „Deswegen soll keiner von Ihnen darunter leiden.“ Einen Leidensdruck verspüren viele Anwohner dennoch. Das wurde bei vielen Zwischenrufen deutlich, als Di-plom-Forstwirtin Maja Züghart aus Sicht der Behörde die geplanten Einschränkungen für Nutzer der Landschaft auflistete.

Betretungsverbote in der Landschaft
Normalerweise darf nach Bundesnaturschutzgesetz ein Naturschutzgebiet (NSG) „außerhalb der Wege nicht betreten werden“, sagte Züghart. „Davon sind wir hier aber abgewichen.“ Im aktuellen Entwurf des Verordnungstextes soll das „Wege-Gebot“ auf die störungsempfindliche Brut- und Setzzeit vom 15, März bis 31. August eines Jahres begrenzt werden. Ausnahmsweise sollen auch Trampelpfade, die in einer Karte zusammengestellt werden, in die Regelung einbezogen werden. Im Umkehrschluss gibt es keine Einschränkung der Betretung der Flächen im Herbst und Winter, hieß es. Die Frage aus dem Publikum, wie das Touristen zu vermitteln sei, wurde nicht näher erörtert.
Auf Drängen der Gemeinde Artlenburg soll die sogenannte Drachenwiese aus dem Naturschutzgebiet ausgeklammert werden. Grundsätzlich wird im Schutzgebiet aber das Fliegen von Drachen während der Brut- und Setzzeit verboten. Zudem wird eine ganzjährige Anleinpflicht für Hunde eingeführt.

Weniger Einschränkungen in Erholungsbereichen
Damit sich die Menschen nicht allzu sehr eingeengt fühlen, werden sogenannte Erholungsbereiche ausgewiesen, beispielsweise im Umfeld der Buhnen. Dort darf auch außerhalb der Wege die Landschaft betreten werden und zwar ganzjährig. Dort dürfen auch Angler während der Brut- und Setzzeit ihrem Hobby nachgehen und das „Anlanden mit nicht motorisierten Booten“ ist möglich. „Darf man dort auch grillen?“ wollte ein Zuhörer wissen. Dazu Züghart: „Grillen nicht! Aber sie dürfen ein Lagerfeuer machen.“ Das wurde mit allgemeinem Gelächter im Saal quittiert. Darüber hinaus sollen laut Bartscht und Züghart auch weiterhin Veranstaltungen wie Osterfeuer auf ausgewiesenen Plätzen abgehalten werden können. Ein Ziel der Naturschutzverordnung ist die Erhaltung des artenreichen Grünlandes, das oft erst durch die landwirtschaftliche Bearbeitung in der jetzigen Form existiert. Doch auch Landwirte bekommen zusätzliche Auflagen – und zum Ausgleich einen Erschwernisausgleich vom Land, so Züghart. Mit Blick auf den Deichschutz sagte die Vertreterin des Fachdienstes Umwelt, dass beispielsweise auch die Bejagung von Nutrias möglich sein wird, damit die Nager die Deiche nicht aushöhlen. Auch sei dem Artlen-burger Deichverband die Bewirtschaftung und Unterhaltung der Deiche freigestellt. Allerdings müsse sich der Verband bei Baumaßnahmen auch mit dem Naturschutz auseinandersetzen. Diese Zusage aber reichte auch Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) nicht, er forderte den Landkreis zu weiteren Zusicherungen auf, um den Rückschnitt von Gehölz und das Entfernen von Sedimentablagerungen im Fluss im Sinne des Hochwasserschutzes zu ermöglichen.
Auch Thomas Mitschke vom Lüneburger Nabu meldete sich zu Wort. Er habe Bauchschmerzen, angesicht der teils verwässerten Vorschriften zulasten des Naturschutzes, „dabei geht es hier doch um unser aller Lebensgrundlagen“. Kreisrätin Vossers sagte schließlich gegenüber der LZ: „Wenn alle Seiten gleichermaßen unzufrieden sind, ist das doch ein gutes Zeichen, dass wir einen guten Kompromiss gefunden haben.“ Beteiligung

Unterlagen liegen öffentlich aus
Die öffentliche Auslegung der Unterlagen für das geplante Naturschutzgebiet „Elbniederung von Hohnstorf bis Artlenburg“ läuft noch bis zum 15. Februar. Die Unterlagen können bei der Samtgemeinde Scharnebeck zur Stellungnahme eingesehen werden sowie bei den Gemeinden Artlenburg und Hohnstorf und beim Kreis Lüneburg. Näheres unter www.landkreis-lueneburg.de/naturschutzgebiete Das geplante Naturschutzgebiet „Elbeniederung von Hohnstorf bis Artlenburg“ umfasst eine Fläche von 207 Hektar. Grafik: Landkreis Lüneburg/LZ Für den Landkreis Lüneburg hat Maja Züghart die Federführung für die Ausarbeitung des neuen Naturschutzgebietes übernommen.

Bericht LZ - Landeszeitung Lüneburg
Landeszeitung Lüneburg





vor Navigation vor
© Copyright Andreas Philipp - Artlenburg